Am 25.07.2013 um ca. 18.00 Uhr starteten Alex und ich um an dem Brevet LEL 2013 teilzunehmen. Die Anreise verlief problemlos. Wir nahmen in Hoek van Holland die Nachtfähre nach Harwich. Die Überfahrt dauerte ca. 6,5 Stunden. So kamen wir am 26.07.13 morgens ausgeruht am Startort in London Loughton an. Alex hatte in 12 KM Entfernung sein Hotel gebucht, während ich auf dem Campingplatz neben dem Startort unterkam. Dieser war riesig groß, schön, jedoch ließen die Sanitäreinrichtungen etwas zu wünschen übrig.

Nach einer ruhigen Nacht stand dann am Samstagmorgen die Anmeldung und Abgabe der 2 Drop Bags an. Aufgrund der super Organisation war alles nach ca. 1 Stunde erledigt und die Säcke standen bereit für den Transport zu den Kontrollen Pocklington und Edinburgh.

20130727_092537 20130727_092736

Die bestellten Trikots erhielten wir dann auch direkt und ich musste dann leider feststellen, dass sie etwas klein ausfielen. Naja man kann ja noch „reinwachsen“. Alex fuhr dann ins Hotel zurück und wir verabredeten uns für den nächsten morgen um 05:45Uhrzum Frühstück um dann gemeinsam um 06.15Uhr zu starten.

Jetzt traten bei mir zum ersten Mal Bedenken bzgl. des Unterfangens auf, welches sonntags auf mich wartete. Zurück auf dem Campingplatz wurde ein letztes Mal das Rad gecheckt und den Rest des Tages verbrachte ich damit die Gepäckträgertasche aus – und wieder anders (leichter) einzupacken.

Am Sonntag trafen wir uns dann zur verabredeten Zeit, und fuhren nach dem Frühstück zum Start. Pünktlich um 06.15Uhr ging es dann bei schönem Wetter und viel Rückenwind los. Da es am Anfang etwas hügelig war und ich mir als Leistungsobergrenze 200Watt gesetzt hatte, war mein Mitstreiter relativ schnell vorne verschwunden. Als die Strecke dann flacher wurde, schloss ich mich einer schnellen Gruppe an und wir fuhren recht zügig unter Ausnutzung des Rückenwindes bis zur ersten Kontrolle St. Ives. Nach einem kurzen Essen ging es dann genauso zügig weiter. Die Leistungsgrenze habe ich dann allerdings etwas aus den Augen verloren, was sich dann später rächen sollte.

Auf dem weiteren Weg nach Norden traf ich auf einen Bekannten aus Bayern, der mit seinem Freund, der gesundheitlich angeschlagen war, unterwegs war. Wir unterhielten uns eine Weile und dann setzte ich jedoch meinen Weg allein fort, da die beiden immer wieder anhielten. Nach wie vor war der heftige Rückenwind eine willkommene Hilfe, verleitete jedoch zum zu schnellen fahren. So ging es dann durch Ortschaften und Felder zu den Kontrollen Kirton und Market Rasen. Auf dem Weg nach Pocklington überquerten wir dann die Humber-Bridge. Außerdem überraschten uns 3 Gewitter mit Starkregen, wodurch die Fahrt nicht ganz ungefährlich wurde. Zum einen schoss das Wasser bis zu 10cm hoch über die Straßen und zum anderen war eines der Gewitter richtig nah. Auf den Blitz folgte sofort heftiger Donner. Es hieß also immer wieder Regenzeug an und wieder ausziehen. Beim dritten Mal war es aber zu spät und insofern kamen wir in Pocklington komplett durchnässt an. Also wurde zunächst der Drop Bag, der eigentlich für die Rückfahrt gedacht war, geplündert. Jetzt rächte es sich, dass nur eine Radmontur in dem Beutel war. Dafür gab es hier aber einen schönen Kaffeevollautomat und der Cappuccino war ein Gedicht. Alex und ich setzten dann unsere Fahrt nach Thirsk und Barnard Castle fort. Je weiter wir nach Norden kamen, umso schlechter wurden die Straßen. Auch wurde die Strecke nun wieder hügliger. In Barnard Castle angekommen, konnte Alex aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mehr weiterfahren. Er wollte sich direkt abmelden, aber einige Mitstreiter und ich überzeugten Ihn, zu übernachten und dann zu entscheiden, ob er weiterfahren kann. Also setze ich meinen Weg alleine fort. Dieser führte dann weiter über die Kontrollen Brampton und Moffat nach Edinburgh. Auf diesen Streckenabschnitten waren dann auch die meisten Höhenmeter zu bewältigen. Das schlimmste war jedoch eine steile Abfahrt auf nassem Kopfsteinpflaster, wo ich am liebsten geschoben hätte, aber auch das war mir mit den Radschuhen zu gefährlich. Nach nunmehr 700km und 37,5Stunden Fahrtzeit erreichte ich dann Edinburgh. Hier war auch die erste längere Pause mit Übernachtung eingeplant. Beim Essen traf ich auf einige deutsche Mitfahrer, die sich spaßes halber bei den Helfern beschwerten, dass es kein Bier geben würde. Innerhalb von 10 Minuten hatten wir ein Six-Pack auf dem Tisch stehen. Nach einer Dusche und neu eingekleidet aus dem Drop Bag fühlte ich mich richtig wohl. Allerdings fiel dann die Übernachtungspause 2 Stunden länger aus als die geplanten 3 Stunden. Es könnte an dem Bier gelegen haben. Ich setzte dann am Morgen meine Fahrt nach Traquair fort. Die Strecke führte hier durch eine traumhaft schöne Landschaft.

 

IMG_1385 IMG_1389

 An der Kontrolle Taquair gab es unter anderem Whisky zu probieren und wirklich interessant „dekorierte“ Kuchen. Der Kuchen war echt lecker, jedoch auf den Whisky habe ich dann verzichtet. Es ging nun weiter über Eskdalemuir, Brampton nach Barnard Castle. Auf diesem Streckenabschnitt verließ ich auch wieder Schottland. Da ich nun wieder über den Berg musste waren auch wieder einige Höhenmeter zu bewältigen, welche sich aber gut fahren ließen. Außer die steile Auffahrt auf dem Kopfsteinpflaster. Unter Ausnutzung des ca. 50cm breiten Bürgersteiges habe ich das Kopfsteinpflaster umfahren. Unterwegs traf ich einen Fahrer, dem der Schaltzug gerissen war. Wir versuchten den Schaden zu reparieren und haben das aber leider nicht hinbekommen. Insofern musste er den Berg auf dem kleinsten Ritzel hochfahren. Aber oben angekommen, ging es fast nur noch bergab nach Barnard Castle. Dort konnte er sein Rad instandsetzen lassen, da es an fast jeder Kontrolle einen Mechaniker gab, der die Räder instandsetzte. Nun ging es weiter nach Thirsk. Auf diesem Teilabschnitt kam dann Müdigkeit auf. Auch fingen zum ersten Mal, die Knie an Probleme zu machen. 30km vor Thirsk hatte ich dann das Gefühl nicht mehr vorwärts zu kommen. Ein Mitfahrer, der mich überholte, fragte mich ob alles in Ordnung wäre. Ich sagte zwar ja, aber ich war mittlerweile echt an einem Tiefpunkt angekommen. Ich sagte mir, wenn ich es nicht schaffe an Ihm dranzubleiben, erreiche ich die Kontrolle nie. Aber es klappte und wir erreichten sie gemeinsam. Ich wollte dann hier ausruhen und 2-3 Stunden schlafen. Jedoch lockte mich der Kaffeautomat von Pocklington in knapp 63km Entfernung. Insofern ging es nach ausgiebigem Essen und viel Kaffee weiter. Die Strecke nahm ich gemeinsam mit einem Italiener in Angriff. Wenig später tauchte eine Gruppe mit 3 weiteren deutschen Fahrern auf, und so fuhren wir zu fünft durch die Nacht. Jetzt lief es wieder richtig rund, bis auf die immer stärker werdenden Sitzprobleme. 10 Meilen vor Pocklington meinten meine Mitfahrer ein kleines Rennen starten zu müssen. Das brach ich aber nach 3-4 Meilen ab, denn es war nur sinnloses Körnerverheizen und wir hatten ja noch 360km vor uns bis zum Ziel. Die anderen brachen dann die Rennveranstaltung ebenfalls wieder ab und wir erreichten alle gemeinsam Pocklington. Hier habe ich geduscht und 2 Stunden geschlafen

 

IMG_1416 20130801_041133

 Der Kaffeeautomat, wie konnte es anders sein, war leider aus und insofern gab es morgens nur den obligatorischen Kaffee. Gestärkt setzte ich dann meine Fahrt über Market Rasen, Kirkton nach St. Ives fort. Geplant hatte ich jetzt durchzufahren und London zu erreichen. Aufgrund des immer mehr auffrischenden Gegenwindes kam ich aber auf den ungeschützten Flachetappen nur langsam vorwärts und fuhr viel im Stehen. Das hatte allerdings zur Folge, dass die Knie auch nicht besser wurden. Im weiteren Verlauf, traf ich dann auf einen Deutschen der sein Pedal verloren hatte und auf Hilfe wartete. Da ich aber nicht helfen konnte, fuhr ich weiter. Wenig später überholte mich ein Auto mit seinem Fahrrad obendrauf und es sah so aus als wäre für ihn die Fahrt zu Ende gewesen. Ein weiterer Fahrer saß wenig später entkräftet am Rand und wollte erst mal nicht mehr weiterfahren. Er hatte seit 2 Tagen Magen und Darmprobleme. Angesichts des Gegenwindes hätte ich mich am liebsten dazu gesetzt. Aber ich war jetzt so weit gekommen, dass ich zur Not gelaufen wäre, um ins Ziel zu kommen. Da ich Ihn nicht überzeugen konnte, mit mir mitzukommen, fuhr ich weiter. Kurz vor St. Ives kam mir dann Alex entgegen, der zwischenzeitlich mit dem Zug zurück nach London gefahren und wieder nach St. Ives raus gefahren war. Wir fuhren gemeinsam zur Kontrolle nach St. Ives. Nach einer kurzen Pause ging es weiter nach Great Easton, mit mehr oder weniger vielen Steigungen. Auf diesem Streckenabschnitt hatte ich meine einzige Panne, einen Platten, den wir aber schnell reparierten. Ansonsten lief es technisch gesehen fast reibungslos. Nur die Speichen vom Hinterrad, die aufgrund des ewigen Gerappels immer lockerer wurden, machten mir etwas Sorgen. Nachdem wir uns in Great Easton nochmals verpflegt hatten, ging es auf die letzten 45km. Ich musste mich mittlerweile beim losfahren zwingen, die Beine beim Treten anzuwinkeln. Das war so gut wie nicht mehr möglich und ich brauchte 2-3 Minuten bis das wieder schmerzfrei ging. Auch das Folgen des Rücklichtes von Alex war sehr ermüdend. Insofern ließ ich mich zurückfallen um nicht noch auf dem Rad einzuschlafen. An einer Steigung wurde dann die Strecke wieder so schlecht, dass ich abgestiegen bin, um die restlichen 200 Meter der Steigung zu laufen. Das stieß bei meinen Mitfahrern allerdings nicht unbedingt auf Verständnis. Damit konnte ich zu dem Zeitpunkt aber Leben. Naja, mittlerweile ließ auch ein wenig die Konzentration nach. Auf einer Abfahrt, es lief richtig schön, hörte ich Alex hinter mir immer wieder etwas rufen. Nach einer Weile fiel mir dann auf was er wohl meinte: ich fuhr die ganze Zeit rechts. Es wurde nun doch Zeit, dass wir das Ziel erreichten, bevor schlimmeres passiert. So ging es dann weiter Richtung London.

Zum Schluss gab es nochmals ein Highlight. Das waren die Wellen kurz vor London. Die haben so viel Spaß gemacht, dass ich mit „Volldampf“ ins Ziel gefahren bin. Allerdings habe ich dabei Alex leider verloren. Nach knapp 94 Stunden war ich dann glücklich und ein „wenig“ übermüdet im Ziel.

IMG_1498

 

Die Rückreise traten wir dann am Samstagmorgen an. Mit der Fähre fuhren wir von Dover nach Calais (endlich wieder rechts Verkehr) und weiter von Frankreich, Belgien, Niederlande nach Deutschland. Hier trafen wir dann wohlbehalten am Nachmittag wieder ein.

Als Fazit bleibt nur zu sagen:

Die Strecke war landschaftlich sehr schön, die Straßen jedoch in einem schlechten Zustand. Die Organisation war top. Fast an jeder Kontrolle konnte übernachtet und geduscht werden. Das Essen war gut und reichhaltig. Die Helfer hochmotiviert, sehr hilfsbereit und super freundlich. Der einzige Kritikpunkt war, dass die Sanitäreneinrichtungen nur auf Socken erreichbar waren, da in den Kontrollen die Radschuhe ausgezogen werden mussten. Seitdem überlege ich, ob ich die Socken wasche oder als Sondermüll entsorge.

Weitere Bilder

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok