Am Tag der Deutschen Einheit war es soweit. Mein erstes Rennen - der Münsterlandgiro - stand auf  dem Programm. Um 8:10 startete das Rennen. Vorher fuhr ich mich noch eine Viertelstunde warm.  Als ich dann in den Startblock fuhr und mich einreihte, vergingen gefühlte Stunden. Es waren so viele Menschen vor mir, dass ich nicht mal den genauen Startpunkt erkennen konnte. Gedanklich schraubte ich meine Erwartungen an mich immer mehr runter; das Wetter tat selbiges. Kurz noch einen Plausch mit meinem Nebenmann (der auch sein erstes Rennen fuhr) und schon ging es los. Bis ich tatsächlich auf der Strecke war, dauerte es ein wenig. Meine Aufregung hätte nicht größer sein können. Naja, jetzt musst du dich konzentrieren, sagte ich mir.

 


Ich fuhr sehr schnell los und hangelte mich so weit wie möglich nach vorne; immer links fahrend. Es fing an, wie aus Eimern zu gießen und durch die Feldwege war sehr viel Matsch auf der Straße. Links und rechts sah ich immer wieder Radfahrer, die im Graben lagen oder ihre defekten Räder reparierten. Irgendwann war das Feld so eng, dass ich nicht mehr weiter nach vorne kam. Zwischendurch wurde das Tempo immer gedrosselt; kurz danach sah man dann, dass jemand gestürzt war. Mir taten die Verunfallten wirklich leid, aber ich sagte mir "Hauptsache du konzentrierst dich jetzt und behältst die Nerven". Dabei wurde so eng gefahren, dass ich gar keinen Kopf für Pulswerte oder km/h hatte. Mir kam jedoch alles sehr gemütlich vor und ich fühlte mich noch nicht sehr gefordert.

 


hannesmuensterland1Als sich das Feld endlich selektierte, konnte ich einen Blick auf meinen Computer werfen. Dort standen grade mal 35 km/h, ich bin halt ansonsten das Tempo des RSC Essen-Kettwig gewohnt ;-). Ich wunderte mich, dass so langsam gefahren wurde. Ich dachte die fahren alle 45 in der Ebene und 35 am Berg. Sehen konnte ich am Anfang wenig. das machte alles noch gefährlicher. Fuhr man hinter jemandem, prasselte der Regen vom Hinterrad genau auf die Brille und die Sicht war fast völlig weg. Später hörte der Regen auf und das Feld zog sich auseinander. Ich fuhr immer wieder zu Gruppen auf und versuchte im Windschatten zu bleiben. Dies erwies sich als sehr schwer, weil teilweise wie "bekloppt" gefahren wurde. Also weiter nach vorne und in der nächste Gruppe bleiben. Das kostete schon recht viel Energie.


Als ich in einer ruhigen Gruppe angekommen war  und es kurz bergab ging, fragte ich meinen Nebenmann, ob hier denn sonst schneller gefahren werden würde. Dies bejahte er, aber fügte hinzu, dass ihm das Tempo schon reichen würde, grade auch bei diesen Bedingungen. So ein Wetter habe man noch nie bei diesem Rennen gehabt. Ich setzte mich immer wieder ab und versuchte zur nächsten Gruppe aufzuschließen. Irgendwann kam ein längerer Anstieg mit Bergwertung. Diesen fuhr ich mit 30-35 km/h hoch, total an der Grenze. Aber so konnte ich bestimmt über 50 Plätze gut machen. Immer wieder sah ich Fahrer aus Block A. Danach ging es immer wieder durch kleine Ortschaften. Der Jubel von Zuschauern gibt einem nochmal richtig Kraft. Nun fuhren wir auf eine Schnellstraße auf. Was für ein Gefühl. Man sieht überall Radfahrer - einfach unglaublich. Das Tempo wurde immer höher. Viele ließen sich zurückfallen und fuhren schon sehr unkonzentriert. Ich sah noch einige Stürze bis wir dem Ziel langsam immer näher kamen und begriff, dass ich gleich da bin. Im letzten Kreisverkehr rutschte direkt neben mir jemand weg und löste einen kleinen Massensturz aus. An Umdrehen war nicht zu denken, jetzt nur noch heile ins Ziel, dachte ich mir. Meine Beine schmerzten immer mehr. Ich fuhr vorher zu oft im Wind und war meistens in der falschen Gruppe. Endlich sah ich, dass, ich gleich da bin meine Km-Anzeige bestätigte mich. Neben mir meinte sich noch ein Verein zu formieren. Obwohl der Sieg schon längst vergeben war, setzten sie alles daran, noch einmal etwas rauszuholen. Ich fuhr rechts neben der Truppe und konnte das alles nur belächeln. So fühlte ich mich gut genug und fuhr die letzten 5000m einfach davon. Ich hörte noch wie einer rief: los wir bleiben an seinem Hinterrad. Naja, dem war jedenfalls nichts so. Als ich das 2000m- Schild sah, gab ich alles und fuhr wie verrückt noch an Vielen vorbei. Alles unter dem Jubel der Zuschauer.


muensterlandbraeuneEndlich sah ich die Zielpassage und es ging einfach alles so schnell und schwupp war ich über der Ziellinie. Als ich auf hörte zu treten, hatte ich in meinen Beinen totale Krämpfe, die dann aber schnell wieder weggingen. Man- war das ein geiles Gefühl. Der Schlossplatz war voller Radfahrer mit strahlenden Gesichtern. Man war das toll!  Noch eine Cola und Spagetti einverleibt, dann ging es heim.
Fazit: Ein tolles Rennen und tolle Organisation. Die Aufregung war gerechtfertigt bei den Stürzen, die ich erlebte. Aber insgesamt hatte ich es mir schlimmer vorgestellt. Hoffentlich ist das Wetter im nächsten Jahr besser, dann möchte ich auf jeden Fall nochmal fahren. Am Ende des Tages stand ein 35er Schnitt aufm Tacho eigentlich ganz gut.


Eine tolle Saison beim RSC Essen-Kettwig geht zu Ende. Auch wenn ich noch nicht sehr lange dabei bin, muss ich mir immer wieder eingestehen, dass Radsport der geilste Sport der Welt ist und der RSC Essen-Kettwig einer der besten Vereine in NRW. Ich habe dort nur nette, hilfsbereite und engagierte Menschen kennengelernt.

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